Thuner Veduten (Thuner Vedutenmalerei)

Nachfolgend finden Sie Thuner Veduten, von denen viele noch zum Kaufen erhältlich sind. Ausserdem haben wir Informationen zur Thuner Vedutenmalerei zusammengestellt.

„Vedutenbild von Eiger, Mönch und Jungfrau von Ferdinand Sommer.
Vedutenbild von Eiger, Mönch und Jungfrau von Ferdinand Sommer.
 
 

Thuner Veduten kaufen

Hier finden Sie Thuner Veduten zum Kaufen, wobei einige Stücke bereits verkauft wurden.

Anfänge und Vorläufer

Die Vedutenmalerei entstand im 18. Jahrhundert vor allem in Venedig und gehört zu dem Genre der Landschaftsmalerei, wobei jede Gattung ihre eigenen Zwecke hatte.

Das Interesse für Veduten in der Schweiz entstand später als in den benachbarten Ländern, denn die Bewohner des Alpenraums fürchteten die Berge, die sie als bedrohlich empfanden.

Mit der Annäherung an die Natur im 18. Jahrhundert und mit dem Beitrag von Dichtern wie Albrecht von Haller, Salomon Geßner oder mit den Reiseberichten von Goethe oder Lord Byron, wuchs das Interesse von Gebirgswanderungen. Der deutsche Künstler Caspar Wolf entdeckte im 18. Jahrhundert die Alpen als Motiv. Albrecht Kauw malte schon im 17. Jahrhundert die Thuner Gegend, besonders den Thunersee.

In der Schweiz bzw. in Bern gilt Johann Ludwig Aberli als Begründer der Veduten. Er fertigte nach einer Alpenreise Aquarelle und Ölbilder. Später vervielfältige er sie als Umrißstiche (Umrisszeichnung). Nach ihm kamen Heinrich Rieter, Joseph Simon Vollmar, Sigmund Freudenberger in Bern, Marquard Wocher, Peter Birmann, Johann Jakob Biedermann in Basel. Nach der Erfindung der Lithografie wendeten einheimische Künstler diese Technik für die Veduten-Herstellung an. Ihr Erfolg hielt sich in Grenzen, weil schwarz-weiß Bilder nicht sehr gefragt waren.

Vorläufer der Vedutenmalerei waren neben Engländern, die die Gegend besuchten, Künstler wie Marquard Wocher, Anton Winterlin oder Jakob Suter.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist deutlich bedeutender für die Gattung der Vedutenmalerei. Das Phänomen Vedutenmalerei gab es in der Schweiz nur in Thun und Umgebung; zu den Schweizer bzw. Thuner Vedutenmalern zählten circa 30 Maler und Malerinnen, die aber auch andere Gegenden der Schweiz gemalt haben. Sowohl François Diday als auch Alexander Calame haben die Thuner Veduten bzw. die Thuner Vedutenmaler stark beeinflusst.

Konjunktur der Thuner Veduten

Es gibt einen wirtschaftlichen Grund, warum sich das Gewerbe der Thuner Veduten in der Region Thun entwickelt hat. Mit dem Rückgang der Weinernte in der Region musste die Bevölkerung nach einer Alternative suchen, um ihr Einkommen zu sichern. Verschiedene Einrichtungen wurden zu Werkstätten umgebaut. Die Mehrheit der Bevölkerung fand eine neue Beschäftigung im neuen Handwerk der Thuner Souvenirkunst-Herstellung, zu der neben den Thuner Veduten unter anderem auch die Thuner Majolika und die Brienzer Holzschnitzerei gehörte.

Andererseits förderte das Entstehen neuer Verkehrswege den Tourismus. Im Jahr 1834 wurde das Landgut „Bellevue” zu einem Hotel umgebaut.

Hinzu kam, dass Ferdinand Sommer, ein Maler aus Coburg (Deutschland), sich in Thun im Jahr 1855 niedergelassen hat. Er sah in der Produktion von Gemälden aus dieser Gegend eine wirtschaftliche Chance und man kann ihn als den Begründer der Thuner Vedutenmalerei betrachten. Ausserdem gab er Malunterricht; zu seinen Schülern zählen Adolf Hänni und Ferdinand Hodler. Sommers Landschaften aus dem Berner Oberland waren damals sehr beliebt.

Der Fall von Louis Hänni

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Blüte der Thuner Veduten war Louis Hänni, ausgebildeter Kleinschreiner, der eine Souvernirmanufaktur in den 1870er gründete. 1876 bautet er und sein Bruder Friedrich das Haus an der Lauenen Nr. 45, Wohnsitz der Familie und Sitz der Souvernirmanufaktur. Das Haus Nr. 50 wurde von seinem anderen Bruder und Maler Adolf gebaut. Viele der Maler fanden auch Unterkunft bei den Hännis , vor allem, als die Nachkommen nach und nach das Haus verließen. Louis Hänni gelingt es viele junge Menschen für seine Projekte zu begeistern und wurde dann Maler. Seine Lehrer waren zwei von Ferdinand Sommers Schülern: Gottlieb Dietrich und sein Bruder Adolf.

Louis Hänni, der sich selbst „Negotiant“ nannte, exportierte Thuner Souvernirprodukte und Holzschnitzereien bis nach Frankreich. Unter den Produkten, die er verkaufte, waren also nicht nur Bilder, sondern auch Holzschnitzereien, die von seinen eigenen zwei Schnitzern produziert wurden. Hänni verkaufte aber teilweise auch Ware von den damals circa 2000 Schnitzern, die im Berner Oberland tätig waren, etwa in Brienz.

Weitere Künstler

Eine weitere Souvenirmanufaktur war die von Christian von Allmen, der mit seinen Kindern auch Thuner Veduten herstellte. Ein Künstler namens Déneiraz soll für Touristen am Genfersee gemalt haben. Weitere einzelne Maler waren: Edi Schilling, Jules Thorimbert, Eduard Bühler.

Warum andere Künstler der Region sich nicht mit Veduten beschäftigten, soll daran gelegen haben, dass ihnen niemand diese Möglichkeit gezeigt hätte.

Thuner Veduten-Bilder

Es war Ferdinand Sommer (* 1822, † 1901), der die Massenproduktion bei den Thuner Veduten einführte. Jeder Geselle spezialisierte sich auf einen anderen Teil des Bildes: Himmel, Berge, Architektur oder Bäume. Diese Gesellen mussten koordiniert in der Werkstatt arbeiten. Bei den Lauener Malern dagegen arbeiteten die Künstler zuhause und konnten ganze Gemälde allein malen und auch personalisieren.

Die Formate in Postkartengröße wurden massenweise produziert und waren oft unsigniert. Die größeren Bilder wurden von ausgewählten Malern gemalt und monogrammiert. Gemälde auf Leinwand wurden extra beauftragt.

Die Bilder wurden auf Bristolkarton gemalt. Zuerst wurde mit einer Art Wattebausch weiße Farbe aufgetragen, was man „das Korn machen“ nannte. An der Hänni-Manufaktur wurde die Rückseite mit farblosem Lack bestrichen, damit sich der Karton nicht wölbte. Das waren Beschäftigungen, die meistens an winterlichen Abenden gemacht wurden.

Bei Tageslicht hat man dann die Motive von einer Vorlage abgemalt und zum Schluss mit einem leicht glänzenden Firnis versehen. Die Bilder mussten an einem staubfreien Ort trocknen und für die Auftragung des Firnisses durfte die Temperatur nicht unter 20° C fallen. Im Buch von Albert Schaufelberger „Die Thuner Vedutenmaler“ wird die jährliche Produktion auf 100’000 Stücke geschätzt, die von circa 30 Vedutenmalern produziert wurden.

Andere Produktarten mit Veduten

Parallel zur Vedutenherstellung blüte in den 1880er Jahren in Heimberg und Umgebung die Thuner Majolika auf, eine Keramikgattung, die reiche Verzierungen in verschiedenen Farben hatte, welche meist auf einem braunen Grundton aufgebracht wurden. Die Dekore waren oft an orientalischen Dekoren inspiriert, die mit Alpenmotiven vermischt wurden, insbesondere der Edelweißblüte. Da es insbesondere bei Keramik-Tellern bzw. Rösti-Platten aus Keramik möglich war, diese mit Veduten zu verzieren, entstand dann eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Bereichen Thuner Majolika und Thuner Veduten. Die Lieferanten von keramischen Artikeln waren unter anderem die Manufaktur von Karl Loder-Eyer, der keinen eigenen Vertrieb hatte, und die Manufaktur von Johann Wanzenried.

Die Veduten wurden aber zum Beispiel auch auf Metall-Glocken gemalt, welche man aus Deutschland importiert hat.

Die Manufaktur Hänni nutzte ausserdem die eigene Schreinerwerkstatt, um Holz-Schatullen herzustellen, die mit Veduten verziert wurden.

Perioden der Vedutenmalerei

Der Autor Albert Schaufelberger (Louis Hännis Schwiegersohn) vom Buch „Die Thuner Vedutenmaler“ spricht von drei Perioden der Thuner Veduten:

Die erste ging bis 1888 und soll mehr künstlerische Freiheit gehabt haben. Man hatte sowohl eine Wahl in der Suche des Standorts eines bestimmten Motives als auch in der angewendeten Technik und Farbigkeit. Der Einfluss war eher noch romantisch: mit dunklen Tönen, Wolken, Abendsonnenschein und kleinen Figuren, die das Erhabene betonten.

Bei der zweiten Periode, die bis ca. 1910 dauerte, sieht man einen Einfluss vom Impressionismus, der gerade in Mode war. Man verzichtete auf die Nutzung der Farbe Schwarz und man versuchte die Farben auf die Palette nicht stark zu mischen. Der Himmel war einheitlich blau gemalt und die Berge hatten Violett-Töne. Menschliche Figuren waren nicht mehr interessant. In der Hänni Manufaktur entstanden aus der Hand von Gottlieb Dietrich auch größere Formate, die dementsprechend teurer waren.

Louis Hänni stellte außerdem in der Pariser Weltausstellung von 1889 seine Produkte aus und konnte viele Kontakte knüpfen, die ihn dazu brachten, weltweit verkaufen zu können. Was in der Vergangenheit der Schweizer Tourismus für die Souvenir-Industrie bewirkte, bewirkten dann die exportierten Souvenirs für den Tourismus in der Schweiz.

Im Jahr 1910 malte Rudolf Immer eine Idealvedute mit anderer Farbkombination, die den Stil von vielen anderen Künstlern änderte. Die Farbe Grün wurde die Hauptfigur des Bildes. Die Farben wurden praktisch so gelassen, wie sie aus der Tube kamen, was auch das Malen im Freien beförderte. Mit dem Rückgang des Tourismus ging dann langsam die Arbeit bei der Souvenir-Produktion aus und die Maler fanden einen Nebenverdienst in der Produktion von größeren Formaten, die aber jetzt an etablierte Thuner Familien verkauft wurden.

Ferdinand Hodler, der drei Jahre in Thun bei seinem Lehrer Ferdinand Sommer verbrachte, kam immer wieder nach Thun wegen seiner eigenen Landschaftsbilder, und brachte neue malerische Moden aus Genf. Hodler soll auch einen Einfluss darauf gehabt haben, dass die Thuner Vedutenmaler dann auch im Freien malten. Der Einfluss der Vedutenmalerei im Werk von Hodler ist jedenfalls bemerkbar.

Das Ende der Thuner Vedutenmalerei kam nach und nach seit dem Ende des Ersten Weltkriegs bis 1930. Schlussendlich wurden die Thuner Veduten durch die Fotografie ersetzt.