Beschreibung
Art: Bilder
Maler: Hedwig Scherrer (* 1878, † 1940)
Objekt: Ölkreide-Bild
Material: Ölkreide auf Papier
Maße: Höhe: 17,5 cm, Breite: 23 cm; mit Rahmen: Höhe: 25,5 cm, Breite: 29 cm
Herstellungsjahr: 1907
Werkverzeichnis-Inventarnummer: L-337-P
Zustand: Bild: Papier leicht wellig, unten rechts fehlt ein kleines Stück der Ecke, Blatt ist auf farbigem Karton aufgeklebt, was Hedwig Scherrer häufig bei ihren Miniaturen gemacht hat; Rahmen: teilweise angebrochen, betossen und berieben; Rückabdeckung: Klebeband zum Öffnen aufgeschnitten und teilweise fehlen Stücke vom Klebeband.
Signatur: auf dem Bild von Künstlerin monogrammiert und datiert: HS 1907; rückseitig bezeichnet von unbekannter Hand: Hoher Kasten, Hedwig Scherrer fec
Details:
Dieses von Hedwig Scherrer gemalte Bild vom Hohen Kasten aus dem Jahr 1907 wirkt wie eine Mischung aus der Jugendstil-Malerei eines Ferdinand Hodler und der Paysage intime eines Barthélemy Menn mit einer Tendenz zu Naturalismus und filigranem Detailreichtum.
Das Bild wurde vermutlich mit Ölkreide gemalt, und zwar auf Papier. Hedwig Scherrer hat beim Malen häufig einzelne Blätter verwendet, die sie auf einer festen Unterlage mit Reissnägeln befestigt hatte. Die teilweise gradlinig-parallelen Linien-Strukturen auf dem Bild resultieren daher sehr wahrscheinlich von der Unterlage, auf die Scherrer das Blatt mit Reissnägeln fixiert hatte. Oben links sieht man noch ein kleines Loch von einem Reissnagel und die fehlende Ecke unten rechts ist vermutlich auch die Folge von der Reissnagel-Befestigung.
Das vorliegende Bild vom Hohen Kasten wurde von der Hedwig-Scherrer-Stiftung im Werkverzeichnis von Hedwig Scherrer mit der Inventarnummer (Inv.-Nr.) L-337-P aufgenommen.
Das Motiv des Bildes ist ein Blick auf den Hohen Kasten. Der Hohe Kasten ist ein Berg im Alpstein der Appenzeller Alpen, der auf der Kantonsgrenze zwischen den Schweizer Kantonen St. Gallen und Appenzell Innerrhoden liegt.
Vermutlich handelt es sich hier um einen Blick auf den Hohen Kasten in der Nähe vom Grenzübergang Oberriet-Meiningen Richtung Rüthi (siehe hier bei Google Maps).
Zwischen 1906 und 1908 wurde für Hedwig Scherrer in der Nachbargemeinde von Rüthi ein Jugendstil-Künstlerhaus nach den Plänen von Hedwig Scherrer erbaut, und zwar in Montlingen (Oberriet); die sogenannte „Villa Scherrer“. Im raffiniert gestalteten Haus finden sich Wandmalereien und Möbel von H. Scherrer. Noch heute existiert das Hedwig-Scherrer-Haus unter folgender Adresse, ist aber nicht öffentlich zugänglich:
Hedwig Scherrer Haus
Bergliweg 17
9462 Montlingen
Das Hedwig Scherrer Haus wurde auf einer Parzelle eines aufgegebenen Rebberges errichtet. Auch die Gemeinde Rüthi (früher „Rüthi (Rheintal)“ genannt) hatte sich um die Ansiedlung von Hedwig Scherrer beworben, als die Gemeinde erfuhr, dass sich die Künstlerin in der Gegend niederlassen wollte. Die Gemeinde Rüthi versprach sich von der Ansiedlung, dass Hedwig Scherrer Postkarten mit Bezug zu Rüthi entwerfen würde. Doch am Ende entschied sich Scherrer für Montlingen.
Sich ein Haus auf dem Land fernab der Stadt St. Gallen zu bauen, damit ist Hedwig Scherrer einem Trend gefolgt, der sich zu jener Zeit unter anderem auch in München etablierte, als Künstler aus der Stadt in die Natur strömten und sich etwa in Dachau niederliessen, wo sich eine Künstlerkolonie bildete. Insbesondere folgten diese Künstler der Mode, Landschaften unter freiem Himmel zu malen. Diese sogenannte Freilichtmalerei (en-plein-air-Malerei, Pleinairmalerei, Pleinairismus) im Gegensatz zur reinen Ateliermalerei entstand in Frankreich durch die Schule von Barbizon, eine Künstlerkolonie im Dorf Barbizon, das sich in der Nähe von Paris befindet.
Das St. Galler Rheintal, in dem sich Montlingen befindet, hat Hedwig Scherrer bei ihren Recherchen zum Zentenar-Band „Der Kanton St. Gallen 1803–1903“ kennengelernt, für den Scherrer Illustrationen entworfen hatte.
Quellen:
– Webseite „Montlinger Bergli“: Hedwig Scherrer Haus
– Webseite der Gemeinde Oberriet: Hedwig Scherrer Haus
– Peter Zünd (Kurator der Hedwig-Scherrer-Stiftung)










